Re: [OT] C64 Snobismus
(Date: Mon, 10 Jan 2005 03:08:42 +0100 )
Newsgruppe: de.rec.sport.motorsport.formel1

Anastasios Tsitlakidis said...
> >>War leider nie Brotkisten-Addic, sondern NoSTalgiker, weswegen ich mir
> >>darunter nix vorstellen kann. War das 'ne Beschleunigerkarte für den
> >>C64, die man einstecken konnte?
> > Ja, man hat sie einfach die ne Cartridge eingesteckt. Dummerweise
> > funktionierten damit einige Programme nicht mehr, aber manchen brachte
> > es ein echtes Spaß-Plus.
> Wieso haben die nicht mehr funktioniert? Normalerweise ist es
> dem Programmcode sehr Wurst, ob schneller oder langsamer
> durchgenudelt wird. Ein Problem können irgendwelche Hardware-Zugriffe
> darstellen.
Im Wesentlichen 2 Punkte:
1) die 6510 CPU im C64 hatte illegale Opcodes, d.h. Befehle die nicht
dokumentiert waren, und einige Programmierer benutzten diese, um hie und
da einen Taktzyklus Zeit zu sparen und das Programm zu beschleunigen.
Auf den Turbokarten saßen 65816 CPUs, die waren zwar abwärtskompatibel
zum 6510, aber ebenn nur was die dokumentierten Befehle anging, die bei
der 6510 offiziell ungenutzen Befehlscodes wurden für neue Befehle
genutzt. Wenn nun ein Programm auf einen illegalen opcode lief, war das
auf der 6510 kein problem, aber es tat freilich auf der 65816 ws völlig
Falschen. Die Folge war ein Absturz.
2a) Timing. Um manche Effekte auf den Bildschirm zu zaubern war es am
C64 hin und wieder nötig, auf eine gewisse Bildschirmzeile zu warten,
dann eine bestimmteanzahl von Taktzyklen zu warten und dann einen
Register umzustellen. Mit der Turbokarte war so eine Warteschleife viel
kürzer und damit wird der Register am falschen Zeitpunkt umgestellt und
der Effekt ist nicht sichtbar oder der Bildschirm von Grafikfehlern
überzogen, die daraus resultieren, dass einfach das Timing nicht stimmt.
2b) Wieder Timing, dieses mal aber fataler: Schnelllader haben am C64
eine lange Tradition. Einige von ihnen basieren auf dem Wissen, dass das
Laufwerk eine gewisse Zeit braucht um Daten aufzuspüren und/oder zu
senden. So haben sich die Schnelllader einige Synchronisations-
Mechanismen gespart, wei lsie (mit Recht) annehmen durften, dass die
daten vorlagen. Tja, mit ner Turbokarte wird dann natürlich im
Entscheidenenen Moment nicht lange genug gewartet und *Bummer* schlug
das Nachladen fehl.
Einige Cracker sind dazu übergegangen die alten Lademechanismen für
diese Turbokarte zu ersetzen, Timingroutinen so umzusticken, dass die
Grafik passt, illegale Opcodes durch ordentlichen Code zu ersetzen und
teilweise da erneute Laden von Disc durch pufferung in der
Speichererweiterung auf der Turbokarte zu ersetzen. Heftiger Job, wenn
du mich fragst.
siehe:
http://come.to/supercpu
http://www.neef-online.de/tac/
Es gibt sogar ein Spiel, welches nun schon seit jaaaaaahren fr die
SuperCPU entwickelt wird. Es heisst "Metal Dust". Ich habe schon einige
Previews gesehen und es ist der KILLER. Die Digisamples kommen so fein,
dass du selbst dike Chöre im Hintergrund hören kannst. Der Soundtrack
stammt von der Elektronik-Musik Gruppe "Welle:Erdball".
http://www.protovision-online.de/md/mdstart.htm
Neueste News vom Game:
http://www.protovision-previews.de/
Ein Video einer schon ziemlich alten version:
http://www.protovision-online.de/md/trailer.zip
Es steht wohl sehr kurz vor dem release und ICH WILL ES HABEN!
> > Ich habe aktuell eine 20 MHz Karte mit 16 MB RAM drauf, damit machst du
> > den C64 prinzipiell zum Amiga-Killer - leider nicht was Grafik angeht.
> *WOW* Das ist ja mal echt krass! Vor 20 Jahren hat man mit 'nem getunten
> C64 im Hasenbergl jede Braut Flach legen können, heute braucht man dazu
> schon 'nen 3ern BNW.
Hehe.
> Aber mal Quatsch beiseite. Wenn Du bedenkst, daß der Amiga mit ~ 7 MHz
> getaktet wurde dann ist klar, daß 20 MHz ein Killer sind. Wobei ich
> vermute, daß man durch das Cartridge nicht die Kiste selbst
> beschleunigen konnte, die wurde nachwievor mit dem alten Takt
> weiterbetrieben.
Auf der karte läuft sowohl die CPU als auch das RAM auf 20MHz, die CPU
slebst hat auch einen 16Bit Modus.
Das Problem ist aber der Videochip. Der Videochip kann nur vom orginal-
RAM lesen und so müssen sichtbare Daten ins langsame Orgiginal-RAM
gespiegelt werden, zum Spiegeln kommt man aber nur jeden 20. Takt, weil
das C64 RAM ja mit 1 MHz getaktet ist.
Bei jedem Zugriff auf einen vom Videochip gezeigten Bereich im RAM muss
also der Takt der Turbokarte mit dem orginal RAM Synchronisiert werden.
Dazu gibt es lediglich 1 Byte Puffer, wenn du also 2 Bytes direkt
hintereinander in den sichtbaren Bereich schreiben willst, geht der
erste Zugriff sehr schnell und der zweite Zugriff wartet dann 19
Turbokarten-Takte, bis erschreiben darf.
Wenn du nun ein Programm, wie das Spiel MetalDust für diese Turbokarte
entwickelst, kannst du nun den TRick anwednen ein Byte in den sichtbaren
Bereich zu schreiben, dann 19 Zyklen mit einer Arbeit zu verschwenden,
die im RAM der Turbokarte stattfindet, und dann erst den nächsten
Schreibzugriff auf so einen gespiegelten Bereich zu machen.
> Waren das lediglich beschleunigte 16MB? Vorallem
> müssen 16MB damals *schweineteuer* gewesen sein, daß waren
> Hauptspeicherressourcen, die mehr als luxuriös waren.
Die "SuperCPU" Turbokarte war eine recht neue Entwicklung - ungefähr
Ende 1996, wenn ich mich nicht irre.
Das RAM war gar nicht _so_ teuer. Die Karte kostete damals voll
ausgestattet, ca 400 DM. Es ist ein reak-teil :-).
Vor der amerikanischen SuperCPU 20MHz-Karte von CMD, gab es eine
deutsche 4 MHz Karte von Rossmöller, die kein erweitertes RAM hatte, die
TurboMasterCPU (auch 4 MHz) von Schnedler Systems (USA) und danach die
Flash-8 (8 MHz) von Rossmöller. Die Flash-8 hatte ebenfalls bis zu 8 MB
RAM.
Und ich kann mit Stolz behaupten: Bis auf die Flash 8 habe ich sie alle
gehabt, die CMD.Karte besitze ich immernoch.
Die CMD Karte ist auch von allen die kompatibelste und schnellste, für
Spiele wie Elite und StuntCarRacer aber definitiv viel ZU schnell :-).
> Yep, die Atari-Szene war in de. nie besonders stark. Die meisten
> verwendeten den Atari über Jahre hinweg wegen MIDI, mit Spielen
> haben sie sich nicht befasst. Leider hat auch die hiesige Industrie
> den Atari massiv boykotiert. Faßt kein Kaufhaus führte genügend
> SW, das Angebot an Spielen war gering.
Och, in meiner Gegend sah das ganz gut aus. NUr das war nach dem ST 1024
schnell vorbei, einen MegaST oder einen Falcon habe ich hier nict mrh
live in einem Shop gesehen. Einen ST 520 besitze ich noch (der hat jetzt
1 MB RAM), aber so wirklich gefiel der mir nie, weil die Bedienung
irgendwie viel zu träge war.
Schlimmer als Atari traf es übrigens Acorn - ich habe noch einen Acorn
A3010. Die Maschine war schon scharf, wenn auch einer von den eher
langsamen Acorns. Acorns RiscOS war aber sehr, sehr lässig.
> Aufgrund der wenigen User
> war klar, daß auch gecrackte Games nur in sehr geringem Maße
> Ausbreitung finden konnten. Fast niemand besaß damals Original-SW,
> als Kid waren 70 DM zu dieser Zeit einfach astronomisch!
Das ist wirlich höllisch.
Ich sage mal: mehr Cracks hätten dem Atari damals eher geholfen. Für den
Schneider CPC (ich besaß nie einen, aber es war der erste Rechner den
ich programmiert habe - in Kaufhäusern, weil ich mir keinen eigenen
leisten konnte) war das Softwareangebot ebenfalls mehr als mäßig. Kein
Wunder, dass davon nie viel auf dem Schulhof getauscht wurde und kein
Wunder, dass niemand so ne Mühle haben wollte. C64 und Amiga User hatten
da mehr Grund zu.
> Die Preise
> waren jenseits von gut und böse, weswegen es vorallem beim Amiga
> nur so boomte.
Gut möglich.
> Generell finde ich es wirklich lustig, wie heute
> große Unternehmen aus heiterem Himmel vom Warez-Problem überrollt
> wurden, wenn man bedenkt, daß schon damals der Handel damit blühte!
Warez waren nie ein echtes Problem, zumindest solange sie nicht im
großen Stil verkauft wurden. Sie halfen immer die Hardwareplattform zu
promoten und damit mehr legale Käufer anzuziehen. Es gab sogar auf dem
C64 relativ heimliche Allianzen zwischen Firmen und Crackern, so pervers
sich das anhört (Stichwort: Radwar/the light circle). Einige in der
Szene waren deswegen gar nicht happy, weil diese Jungs einen Vorteil
hatten, den andere sich teilweise erkaufen mussten (Bei Testern,
Mitarbeitern oder Kopierschutzjungs, die ein wenig Zubrot brauchten).
> Das Urheberrecht war damals nicht anders, durch die geringe Vernetzung
> und den nicht sichtbaren monitären Schaden hat es keine Sau
> interessiert, dabei wurden damals schon auch teure SW für den
> Business-Bereich als Crack gehandelt.
Die Vernetzung war damals auch vorhanden, die Sapper machten es über die
Post und verscgickten Wöchentlich bis zu 400 Disketten, die dicken
Trader betrieben eigene Mailboxen und wickelten ihre Verbindungen über
gehackte visa-accounts oder callingcards von Sprint, AT&T und MCI ab
oder halt per Bluebox. Für MCI gab es übrigens eine gute,
funktionierende Bluebox mit der man schön lange und kostenlos ne
Partyline anrufen konnte, wo eigentlich nur Blueboxer undsolche Jungs
waren. Treibende Kraft im Handel mit Callingcards und betrieb solcher
Partylines war übrgens ein gewisser Kim "Kimble" Schmitz, der es
wunderbar verstand Leute zu seinen Gunsten über'n Tisch zu ziehen.
Er Betrieb eine Partyline und verkaufte Cards, die andere gehackt haben.
AT&T, MCI oder Sprint bezahten den Betreiber der Partyline, ein Kunde
legte Wiederspruch gegen den Misbrauich der CallingCard ein (sofern das
keine Zombienummer war, die zwar funktionierte aber keinem Kunden
zugeordnet war), die wiederum liessen den betrogenenKunden den Schnitt
der letzten 4 Monate zahlen (in den USA war das AFAIK Gang und Gäbe) und
am Ende warenalle Glücklich, bis auf die TelCos natürlich, aber die paar
Phreaker waren in deren Bilanz auch eher unwesentlich.
> Computer Kanellis in Saloniki
> verkaufte damals für'n Appel + Ei die neuesten Warez von komerzieller
> Software (bspw. Degas-Elite NP DM 500 anno 1986!), ganz legal, weil
> es in GR damals kein Urheberrecht gab.
Ich habe gehört, dass sich in der Türkei einige Crackergruppen
gegenseitig die Fresse poliert haben, weil die sich gegenseitig die
Claims weggenommen hatten. Die Gruppen hatten damals wohl ihre Deals mit
einigen Computerläden und wenn dann einer da rein ging und den Preis
drückte.. nunja.. dann gab's halt Stress.
> Die heutigen Herumplärrer
> hätten nur ein wenig in der Computergeschichte stöbern sollen, und
> Vorkehrrungen treffen sollen, wie digitale Signaturen etc. Die
> "C64-Generation" scheint aber in diesen Unternehmen nicht
> verbreitet zu sein, ansonsten läßt sich der Dornröschenschlaf nicht
> erklären. Seit Mitte der 80er hatte man Möglichkeiten entsprechende
> Entschlüsselungsmechanismen für CD-Audio zu entwickeln, und hat es
> nicht getan.
Das Problem ist vielmehr, dass alles das, was aus dem Lautsprecher
bekommst auch kopiert werden kann. Die beste Lösung war immer das
digitale Wasserzeichen. Einige Firmen, auch auf dem C64, gaben ihren
Programmen individuelle Prüfsummen mit, anhand derer sie den Käufer
identifizieren konnten - das funktioniert allerdings nur im
Versandhandel. Ausserdem kannst du individuelle, digitale Wasserzeichen
schnell ausmerzen, wenn du mehrere unterschiedliche Versionen
vergleichst und so die Unterschiede glattbügelst.
> > Das liegt
> > wohl auch eher daran, dass der Atari nie das Grafikmonster war, sondern
> > seine Spezialität eher der Sound war.
> Stimmt partiell, der Amiga hatte die 1,6 Mio. Farben schon viel eher,
> dafür war der ST damals der einzige Home-Computer am Markt, der die
> 640er-Auflösung anbot, wenn auch monochrom!
Den Monochrom-Monitor schätzten damals auch Amiga-Anwender sehr am
Atari, vor allem wegen seines ruhigen Bildes.
> Der Amiga war die
> Daddelkiste schlechthin, ich persönlich habe das Gerät aber nie
> leiden können und die meisten Games erschienen für beide Geräte.
> Leider wurde sie in de. boykotiert.
Der Amiga war schon ein feines Gerät.
> Btw, endlich habe ich "Stunt Car Racer" auf Diskette! Das Teil ist
> für den ST graphisch anspruchsvoller und besser realisiert. Vorallem
> die Joystick-Steuerung ist genial, Tastatur suckt, vorallem wenn
> Leertaste = NOS-Plünderung bedeutet. Mit meinem alten "Competition Pro"
> kann man wesentlich schonender mit dem NOS umgehen ;)
Schade, das sich meine 4 MHz Karte nimmer habe, auf dem C64 war das so
auch sehr lässig. Mit 20MHz ist es leider zu schnell zum Spielen.
> Bald werde ich mit meinen Fastest-Laps hier herumprahlen!
Heheeeeeee!
Gruß,
-Wanja-
"Gewisse Schriftsteller sagen von ihren Werken immer: 'Mein Buch, mein
Kommentar, meine Geschichte'. [..] Es wäre besser, wenn sie sagten:
'unser Buch, unser Kommentar, unsere Geschichte'; wenn man bedenkt, dass
das Gute darin mehr von anderen ist als von ihnen." [Blaise Pascal]